Beschichtungen werden auf Werkstoffe aufgebracht, um Eigenschaften wie Haltbarkeit und Erscheinungsbild zu verbessern oder sie vor Korrosion, Feuer, Wasser und Fett zu schützen. Damit diese Eigenschaften das gegenüber Kunden zugesicherte Leistungsniveau erreichen und die Rezeptur die Grenzwerte für beschränkte Stoffe einhält, sind Laborprüfungen während der gesamten Entwicklung und Produktion erforderlich.
Dieser Artikel gibt einen Überblick über gängige genormte Prüfverfahren zur Bewertung der technischen Leistungsfähigkeit, der physikalischen, mechanischen und optischen Eigenschaften sowie der chemischen Zusammensetzung von Beschichtungen. Ergänzend werden typische Prüfprojekte vorgestellt, die auf den Erfahrungen von Measurlabs mit Beschichtungsherstellern aus verschiedenen Branchen beruhen – vom Bauwesen bis zu Lebensmittelkontaktmaterialien.
Prüfung von Leistungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit
Besonders wichtig ist die Optimierung von Dauerhaftigkeit und Leistungsfähigkeit unter anspruchsvollen Umgebungsbedingungen und über lange Zeiträume bei Hochleistungsbeschichtungen wie Korrosionsschutzbeschichtungen und Schutzbeschichtungen für Baustoffe. Aber auch dekorative Farben und Lacke müssen den Beanspruchungen ihres Einsatzbereichs standhalten – etwa der Bewitterung bei Außenanstrichen oder verschütteten Flüssigkeiten bei Beschichtungen von Küchenoberflächen. Tabelle 1 gibt einen Überblick über ausgewählte genormte Beständigkeitsprüfungen.
Tabelle 1: Ausgewählte genormte Prüfverfahren für Leistungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit von Beschichtungen
Eigenschaft | Norm(en) | Kurzbeschreibung |
Korrosionsschutz | Legt Prüfverfahren zur Bewertung der Schutzdauer von Beschichtungssystemen auf Stahl für die Korrosivitätskategorien C2–C5 und die Kategorien Im1–Im3 für Wasser und Erdreich fest. Je nach Einsatzumgebung und angestrebter Schutzdauer können Wasserimmersion, Kondenswasser, neutraler Salzsprühnebel und zyklische Alterung erforderlich sein. | |
Beständigkeit gegen Kondenswasser | Beschichtete Probekörper werden in einer Prüfkammer einer Kondenswasseratmosphäre ausgesetzt, anschließend abgespült, getrocknet und auf Schäden untersucht. | |
Beständigkeit gegen neutralen Salzsprühnebel | ISO 9227 | Die Probekörper werden in einer Prüfkammer unter kontrollierten Bedingungen einem Sprühnebel aus neutraler Natriumchloridlösung ausgesetzt. |
Beständigkeit gegen Flüssigkeiten | ISO 2812-1 (Eintauchen in Flüssigkeiten außer Wasser) ISO 2812-2 (Eintauchen in Wasser) ISO 2812-3 (Verfahren mit saugfähigem Material) ISO 2812-4 (Tüpfelverfahren) | Die Probekörper werden verschiedenen Flüssigkeiten ausgesetzt, etwa Wasser, Mineralölprodukten, haushaltsüblichen Flüssigkeiten oder Lösungen organischer Säuren. Das Verfahren richtet sich nach der zu erwartenden Beanspruchung: Eintauchen bei ständigem Kontakt, saugfähiges Material bei länger andauerndem örtlichem Kontakt und Tüpfeln bei kurzzeitigen Spritzern. |
Bewitterungs- und UV-Beständigkeit | ASTM G155 / ISO 16474-2 (Xenonbogenlampen) ASTM G154 / ISO 16474-3 (UV-Leuchtstofflampen) | Die Proben werden unter kontrollierten Temperatur- und Feuchtezyklen bestrahlt. Xenonbogenstrahlung simuliert das gesamte Sonnenspektrum, während UV-Leuchtstofflampen gezielt den kurzwelligen UV-Bereich betonen. |
Die Ergebnisse der in Tabelle 1 aufgeführten Prüfungen werden in erster Linie nach der Normenreihe ISO 4628 beurteilt. Sie legt ein Bewertungssystem für Beschichtungsschäden fest, darunter Blasenbildung, Rost, Risse, Abblättern, Kreidung, Enthaftung und Korrosion. Wo sinnvoll, wird zusätzlich die Haftfestigkeit bestimmt, etwa im Abreißversuch nach ISO 4624 oder mit der Gitterschnittprüfung nach ISO 2409.
Praxisbeispiel: Nachweis der Eignung eines Beschichtungssystems für C5-VH nach ISO 12944-6
Ein typisches Projekt zur Prüfung der Dauerhaftigkeit besteht darin, nachzuweisen, dass ein Beschichtungssystem die Anforderungen einer bestimmten Korrosivitätskategorie nach ISO 12944 erfüllt. Für den Nachweis einer sehr hohen Schutzdauer unter sehr stark korrosiven Bedingungen (C5-VH) umfasst das Prüfprogramm beispielsweise folgende Schritte:
Auf drei beschichtete Metallplatten (15 × 10 cm, Dicke mind. 4 mm) wird gemäß Anhang A der ISO 12944-6 ein Ritz aufgebracht.
Die Platten werden 16 Wochen lang (insgesamt 2688 Stunden) einer zyklischen Alterung unterzogen. Jede Woche umfasst:
72 h abwechselnde Beanspruchung durch UV-Strahlung und Kondensation in 4-Stunden-Intervallen
72 h neutralen Salzsprühnebel (ISO 9227)
24 h Tieftemperaturbeanspruchung (−20 ± 2 °C)
Nach der Beanspruchung wird der Zustand der gealterten Platten mit dem Abreißversuch nach ISO 4624, der Gitterschnittprüfung nach ISO 2409 und mehreren Bewertungen nach ISO 4628 (Blasenbildung, Rissbildung, Rost, Abblättern) beurteilt. Zum Vergleich wird zusätzlich eine ungealterte Platte geprüft.
Die Ergebnisse werden als Haftfestigkeit in MPa sowie als Bewertung jeder Schadensart nach der Alterung angegeben. Fotodokumentation und eine abschließende Bewertung, ob die Kriterien für C5-VH erfüllt sind, gehören ebenfalls zum Bericht.
Gemäß ISO 12944-6 ist ein Beschichtungssystem, das die Kriterien für C5-VH erfüllt, auch für weniger korrosive Umgebungen (C1 bis C4) geeignet.
Bestimmung physikalischer, mechanischer und optischer Eigenschaften
Physikalische und mechanische Eigenschaften wie Schichtdicke, Haftfestigkeit und Abriebbeständigkeit bestimmen das Gebrauchsverhalten von Beschichtungen, optische Eigenschaften wie Glanz und Deckvermögen ihr Erscheinungsbild. Tabelle 2 enthält Beispiele für Prüfverfahren zur Bestimmung dieser Eigenschaften, überwiegend auf Grundlage von ISO-, EN- und ASTM-Normen. Daneben stehen hauseigene Verfahren zur Verfügung, die sich bei der Entwicklung neuartiger Beschichtungssysteme anbieten, wenn etablierte Verfahren nicht unmittelbar anwendbar sind.
Tabelle 2: Ausgewählte Verfahren zur Bestimmung physikalischer, mechanischer und optischer Eigenschaften von Beschichtungen
Eigenschaft | Prüfverfahren |
Schichtdicke (nass und trocken) | Mechanische, magnetische, optische und weitere Verfahren (ISO 2808), Ellipsometrie |
Oberflächenrauheit | Optische Profilometrie (ISO 21920-2) |
Filmhärte | Bleistifthärteprüfung (ISO 15184, ASTM D3363) |
Haftfestigkeit auf dem Untergrund | Gitterschnittprüfung (ISO 2409) Abreißversuch (ISO 4624) |
Kratzbeständigkeit | Verfahren mit konstanter Belastung (ISO 1518-1), Mikro- und Nano-Ritzprüfungen |
Verschleiß- und Abriebbeständigkeit | Taber-Abraser-Prüfung (ASTM D4060 für organische Beschichtungen, ISO 5470-1 für mit Kunststoff oder Gummi beschichtete Textilien, EN 438-2 Abschnitt 10 für Hochdruck-Schichtpressstoffplatten) |
Schlag- und Verformungsbeständigkeit | Fallgewichtsprüfung (ASTM D2794), Tiefungsprüfung (ISO 1520) |
Nassabriebbeständigkeit und Reinigungsfähigkeit | Beschleunigtes Verfahren mit 200 aufeinanderfolgenden Scheuerzyklen (ISO 11998) |
Biegeelastizität | Dornbiegeversuch mit zylindrischem Dorn (ISO 1519) |
Oberflächentrocknung | Prüfung mit Glaskugeln (Ballotini) (ISO 9117-3) |
Benetzbarkeit | Kontaktwinkel- und Oberflächenenergiemessungen (ISO 19403) |
Deckvermögen | ISO 6504-3 für helle Anstrichstoffe für Mauerwerk, Beton und Innenanwendungen |
Glanz | ISO 2813 für nichtmetallische Beschichtungen, ISO 8254-1 für gestrichene Papiere |
Farbe | L*a*b*-Farbwerte und Farbabstände ΔE* durch Farbmessung (ISO 11664-4, ISO 7724) |
Praxisbeispiel: Vergleich alternativer Farbrezepturen
In der Produktentwicklung werden verschiedene Farbrezepturen in der Regel eingehend miteinander verglichen, um die leistungsfähigsten Kandidaten zu ermitteln. Beim Vergleich heller Innenwandfarben sind vor allem die folgenden beiden Eigenschaften relevant, die beide in die Klassifizierung nach EN 13300 eingehen:
Deckvermögen nach ISO 6504-3 oder gleichwertigen Verfahren. Ermittelt wird das Kontrastverhältnis bei der vom Hersteller angegebenen Ergiebigkeit; Klasse 2 oder besser (mindestens 98 %) steht in der Regel für ein gutes Deckvermögen.
Nassabriebbeständigkeit nach ISO 11998. Die Nassabriebklassen 1 und 2, also ein Schichtdickenabtrag von weniger als 20 µm nach 200 Scheuerzyklen, stehen in der Regel für eine gute Beständigkeit.
Für jede der beiden Prüfungen wird in der Regel ein Liter je Farbe benötigt. Die Bearbeitungszeit beträgt etwa 7 Wochen, einschließlich der in ISO 11998 vorgeschriebenen Trocknungszeit von 28 Tagen.
Chemische Prüfung von Beschichtungen
Gefährliche Stoffe sind in Beschichtungen aus technischen Gründen oft unverzichtbar. Ihre Konzentrationen dürfen jedoch weder die gesetzlichen Grenzwerte noch die häufig noch strengeren Vorgaben von Kunden oder Umweltzeichen überschreiten. Tabelle 3 enthält Beispiele für chemische Analysen, mit denen üblicherweise die Einhaltung des EU-Rechts und die Eignung für Umweltzeichen nachgewiesen wird.1
Tabelle 3: Ausgewählte chemische Analysen für Beschichtungen
Analyse | Typische Anwendungen |
Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) (ISO 11890-2) | Einhaltung der VOC-Grenzwerte der Richtlinie 2004/42/EG oder der strengeren Grenzwerte von Umweltzeichen (z. B. EU-Umweltzeichen, Blauer Engel). |
Screening auf besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC) | Prüfung, ob Stoffe der REACH-Kandidatenliste in Konzentrationen über 0,1 Massenprozent enthalten sind, was bestimmte Informationspflichten auslöst. Die Abwesenheit von SVHC ist zudem ein häufiges Vergabekriterium für Umweltzeichen. |
Phthalat-Screening | Einhaltung von REACH Anhang XVII Eintrag 51 und der Kriterien von Umweltzeichen. |
Gesamtfluor- und PFAS-Analysen | Einhaltung der PFAS-Grenzwerte der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) für Beschichtungen in Lebensmittelkontaktmaterialien. Beschränkungen bestimmter PFAS nach REACH und der POP-Verordnung (z. B. PFOS, PFOA, PFHxS, C9–C14-PFCA). |
Schwermetallgehalt | Cadmium-Grenzwerte nach REACH Anhang XVII Eintrag 23, Schwermetallgrenzwert der PPWR für Verpackungsmaterialien sowie weitere branchenspezifische Grenzwerte (z. B. für Lebensmittelkontaktmaterialien, Spielzeug und Medizinprodukte). |
Formaldehyd | Emissions- und Gehaltsgrenzwerte für Möbel und Bauprodukte (REACH Anhang XVII Eintrag 77) sowie für Lebensmittelkontaktmaterialien (Verordnung (EU) Nr. 10/2011 für Kunststoffe, nationale Vorschriften für beschichtetes Papier, Karton, Gummi und andere nicht harmonisierte Materialien). |
Bisphenol A | Verbot in Lebensmittelkontaktmaterialien nach Verordnung (EU) 2024/3190, mit einer Ausnahme für bestimmte Hochleistungsbeschichtungen. |
Cyclosiloxane | Einhaltung von REACH Anhang XVII Eintrag 70 und der Blauer-Engel-Kriterien für Backpapier (DE-UZ 65) |
Chemische Charakterisierung von Medizinprodukten (ISO 10993-18) | Identifizierung und Quantifizierung der vom Produkt einschließlich der Beschichtung freigesetzten Stoffe gemäß den Anforderungen der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR). Stoffe oberhalb der Sicherheitsschwellen werden nach ISO 10993-17 bewertet. |
Neben diesen und weiteren Analysen für regulatorische Zwecke bietet Measurlabs die chemische Charakterisierung von Beschichtungen für Produktentwicklung und Qualitätssicherung an. Zur Verfügung stehen spektroskopische, chromatographische, thermische und elementanalytische Verfahren wie FTIR, GC-MS, LC-MS, TGA und RFA.
Praxisbeispiel: Nachweis der lebensmittelrechtlichen Konformität beschichteter Pappbecher
Measurlabs verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Unterstützung von Herstellern faserbasierter Lebensmittelkontaktmaterialien beim Nachweis, dass ihre Beschichtungsrezepturen dem EU-Recht und den geltenden nationalen Vorschriften entsprechen. Welche Analysen im Einzelnen erforderlich sind, hängt von der Zusammensetzung des Produkts ab. Für polymerbeschichtete und bedruckte Pappbecher werden typischerweise unter anderem folgende Prüfungen durchgeführt:
Spezifische Migration primärer aromatischer Amine und der in Anhang II der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 aufgeführten Metalle aus der Kunststoffbeschichtung
Prüfungen nach der BfR-Empfehlung XXXVI, etwa auf Formaldehyd, Glyoxal und Isothiazolinone
Druckfarbenabklatsch mittels GC-MS, bewertet nach der Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004 und der Druckfarbenverordnung (Anlage 14 der Bedarfsgegenständeverordnung)
PPWR-Prüfpaket mit Schwermetallen und Gesamtfluor, bei Bedarf ergänzt durch die Bestimmung des gesamten organischen Fluors (TOF) oder einzelner PFAS
Migration von Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH und MOAH), bewertet nach den aktuellen
NIAS-Screening mittels GC-MS zur Bestimmung der Migration nicht absichtlich zugesetzter Stoffe
Weitere spezifische Migrationsprüfungen für relevante Bestandteile und mögliche Verunreinigungen, etwa Epoxidderivate, Bisphenole und Phthalate
Darüber hinaus unterstützen wir bei der Erstellung der erforderlichen Konformitätsdokumentation, einschließlich der Konformitätserklärung.
Beschichtungsprüfung aus einer Hand
Measurlabs bietet Beschichtungsherstellern ein umfassendes Prüfspektrum – von der Leistungs- und Beständigkeitsprüfung industrieller Beschichtungen bis zur chemischen Konformitätsbewertung von Beschichtungen für Lebensmittelkontaktmaterialien und Medizinprodukte. Ergänzend zu den in den vorherigen Abschnitten beschriebenen Prüfungen stehen unter anderem folgende Leistungen zur Verfügung:
Barriereprüfungen, etwa der Sauerstoff- und Wasserdampfdurchlässigkeit (OTR, WVTR), zur Bewertung des Einflusses von Beschichtungen auf die Barriereeigenschaften von Polymerfolien, Textilien, Verpackungen und Baustoffen
Prüfung und Klassifizierung des Brandverhaltens beschichteter Bauprodukte nach EN 13501-1 und EN 13501-5
Ein breites Spektrum an Prüfverfahren der Halbleiteranalytik zur Untersuchung physikalischer und chemischer Eigenschaften funktionaler Beschichtungen im Nanometerbereich
Für weitere Informationen oder ein Angebot nutzen Sie das untenstehende Kontaktformular.
Quellen:
1 Einzelheiten zu den in Tabelle 3 genannten Beschränkungen und Vergabekriterien enthalten:
Richtlinie 2004/42/EG über flüchtige organische Verbindungen in Farben und Lacken
Beschluss (EU) 2025/2607 der Kommission zu den Kriterien für die Vergabe des EU-Umweltzeichens für Farben und Beschichtungen
Nordic Swan: Kriteriendokument für Farben und Lacke (nur auf Englisch verfügbar)
Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH)
Verordnung (EU) 2025/40 über Verpackungen und Verpackungsabfälle
Verordnung (EU) 2019/1021 über persistente organische Schadstoffe
Verordnung (EU) Nr. 10/2011 über Materialien und Gegenstände aus Kunststoff für den Lebensmittelkontakt
Verordnung (EU) 2024/3190 über die Verwendung von Bisphenol A (BPA) und anderen Bisphenolen in Lebensmittelkontaktmaterialien
Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte

