Als Reaktion auf Bedenken hinsichtlich der gesundheitsschädlichen Wirkungen aromatischer Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) veröffentlichte der Ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (SC PAFF) der EU im Frühjahr 2022 einen Bericht, der deren zulässige Konzentrationen in Lebensmitteln begrenzt.1 Die im Bericht festgelegten Grenzwerte galten mit sofortiger Wirkung, und seitdem wurden Dutzende von Produkten wegen überhöhter MOAH-Gehalte vom Markt genommen oder zurückgerufen.2
Im Mai 2026 stimmte der SC PAFF für eine Verordnung, mit der Höchstgehalte für MOAH ab dem 1. Januar 2027 offiziell in das EU-Kontaminantenrecht aufgenommen werden.3 Gleichzeitig wurde eine Empfehlung zur Überwachung der Gehalte an MOAH und gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH), einer weiteren Gruppe potenziell schädlicher Mineralölverbindungen, gebilligt. Eine Überschreitung der in der Empfehlung festgelegten Richtwerte für MOSH führt zwar nicht automatisch zu Marktrücknahmen, Unternehmen wird jedoch dringend empfohlen, die Ursachen der Kontamination zu untersuchen und geeignete Abhilfemaßnahmen zu ergreifen.4
Da der Übergang aus Lebensmittelkontaktmaterialien (LKM) eine der Hauptquellen für Mineralölkontaminationen ist, sollten Labortests durchgeführt werden, um die Migration von MOSH und MOAH aus Hochrisikomaterialien wie Recyclingpapier und -karton zu messen. Die Verbindungen können auch direkt in Lebensmitteln analysiert werden.
Measurlabs ist in der Liste des EU-Referenzlaboratoriums für Prozesskontaminanten (EURL-PC) aufgeführt, die Laboratorien verzeichnet, die MOAH in Konzentrationen auf Höhe der geltenden Höchstgehalte nachweisen können.5 Damit verfügt Measurlabs über die erforderliche Kompetenz, um die Konformität von Produkten mit den EU-Vorschriften für MOAH zu prüfen.
Was sind MOAH und MOSH, und welche Bedenken bestehen?
Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH) sind chemische Verbindungen, die überwiegend aus Rohöl gewonnen, aber auch synthetisch aus Kohle, Erdgas und Biomasse hergestellt werden. MOAH und MOSH sind spezifische Arten von Kohlenwasserstoffverbindungen, die unter den Oberbegriff MOH fallen und mit gesundheitsschädlichen Wirkungen in Verbindung gebracht werden.
Im Fall von MOAH hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Verbindungen mit mindestens drei aromatischen Ringen als genotoxisch und karzinogen eingestuft. Für MOSH-Verbindungen wurden zwar keine vergleichbar akuten gesundheitlichen Bedenken festgestellt, sie reichern sich jedoch in Leber, Milz und anderen Geweben an. Die Langzeitwirkungen der MOSH-Akkumulation sind bislang nicht untersucht, und die EFSA hält sie weiterhin für ungewiss.6
Aufgrund der höheren toxikologischen Risiken konzentrierten sich die EU-Vorschriften und -Empfehlungen bisher in erster Linie auf MOAH. Da eine fortgesetzte MOSH-Akkumulation jedoch zu schädlichen Wirkungen führen könnte, enthält die im Mai 2026 gebilligte Empfehlung zur Überwachung auch Richtwerte für MOSH.
Was sind die EU-Vorschriften zu MOAH und MOSH?
Allgemeine EU-Eingriffswerte für MOAH in Lebensmitteln wurden in den zusammenfassenden Berichten des SC PAFF vom April und Oktober 2022 festgelegt.7 Die Werte entsprechen den Bestimmungsgrenzen (LOQ) der derzeit verfügbaren Messverfahren und richten sich nach dem Fettgehalt des Lebensmittels:
0,5 mg/kg für Trockenlebensmittel mit geringem Fett-/Ölgehalt (≤ 4 % Fett/Öl)
1 mg/kg für Lebensmittel mit höherem Fett-/Ölgehalt (> 4 % Fett/Öl, ≤ 50 % Fett/Öl)
2 mg/kg für Fette und Öle (> 50 % Fett/Öl)
Die Höchstgehalte in der Verordnung, mit der MOAH-Höchstgehalte ab dem 1. Januar 2027 förmlich in die Verordnung (EU) 2023/915 über Kontaminanten in Lebensmitteln aufgenommen werden, liegen teilweise über den oben genannten allgemeinen Werten. In diesen Fällen haben die Werte der neuen Verordnung seit dem 13. Mai 2026 Vorrang vor den allgemeinen Werten, wenn die Konformität eines Produkts beurteilt wird.8 Einige der Lebensmittelkategorien, für die höhere Werte gelten, sind in Tabelle 1 aufgeführt.
Tabelle 1: Höchstgehalte für MOAH in ausgewählten Lebensmitteln
Lebensmittelkategorie | Höchstgehalt MOAH |
|---|---|
Erdnussöl, Sesamöl, Kokosöl sowie Öle aus Getreidekeimen und Getreidekleie | 6 mg/kg ab Januar 2027 4 mg/kg ab Januar 2028 2 mg/kg ab Januar 2030 |
Traubenkernöl, Baumwollsaatöl, Schwarze-Johannisbeersamenöl und Arganöl | 10 mg/kg ab Januar 2027 5 mg/kg ab Januar 2028 2 mg/kg ab Januar 2030 |
Oliventresteröl und raffiniertes Oliventresteröl | 10 mg/kg ab März 2028 5 mg/kg ab März 2029 2 mg/kg ab Januar 2030 |
Sonstige Olivenöle | 4 mg/kg ab März 2027 2 mg/kg ab Januar 2028 |
Fischöl | 10 mg/kg ab Januar 2027 5 mg/kg ab Januar 2030 |
Gewürze, getrocknete Kräuter, Tee und getrocknete Kräuteraufgüsse zur Verwendung als Lebensmittelzutat; Instanttee und getrocknete Instant-Kräuteraufgüsse | 10 mg/kg ab Januar 2027 5 mg/kg ab Januar 2030 |
Nahrungsergänzungsmittel | 10 mg/kg ab Januar 2027 5 mg/kg ab Januar 2030 |
Richtwerte für MOSH, die je nach Lebensmittelkategorie zwischen 1 und 50 mg/kg liegen, sind in einer Empfehlung der Kommission zur Überwachung von Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln festgelegt. Eine Überschreitung dieser Richtwerte führt nicht zu sofortigen Marktrücknahmen, sondern zu der dringenden Empfehlung, die Ursachen der Kontamination zu untersuchen und zu beheben.9
Diskutiert wurde außerdem die Festlegung eines Grenzwerts für die Gesamtmigration von MOAH in der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 über Materialien und Gegenstände aus Kunststoff, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen; ein Zeitplan hierfür steht bislang jedoch nicht fest.10
Welche Produkte sollten geprüft werden?
Die Höchstgehalte und Richtwerte gelten für die Gesamtgehalte an MOSH und MOAH in Lebensmitteln, unabhängig von der Quelle. Prüfungen sind daher entlang der gesamten Wertschöpfungskette erforderlich.
Zu den Fertigerzeugnissen mit erhöhtem Risiko, in denen MOSH und MOAH nachgewiesen wurden, zählen pflanzliche Öle, Brühwürfel, Nüsse und Samen, Getreide, Babynahrung, Schokoladenerzeugnisse und Milchprodukte. Bei Lebensmittelkontaktmaterialien ist das Vorkommen von MOSH oder MOAH wahrscheinlicher, wenn das Material Recyclingfasern, Druckfarben oder Wachse enthält. Auch im Herstellungsprozess eingesetzte Stoffe wie Schmiermittel, Schmierfette und Dichtungsmassen können zu einer Kontamination führen und sollten daher ebenfalls geprüft werden.
Wie werden MOSH und MOAH geprüft?
Allgemeine EU-Leitlinien für die MOSH- und MOAH-Prüfung enthält ein Leitfaden der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) aus dem Jahr 2023, der Hinweise zur Probenahme und Mindestanforderungen an die Analysemethoden festlegt.11
Die MOH-Analyse erfolgt in der Regel mittels LC-GC-FID (Flüssigkeitschromatographie gekoppelt mit Gaschromatographie und Flammenionisationsdetektion). Aufgrund struktureller Ähnlichkeiten lassen sich MOH mit diesem Verfahren nicht in einzelne Substanzen auftrennen, wohl aber die MOSH- und MOAH-Fraktionen voneinander unterscheiden. Wenn natürlich vorkommende Substanzen die Analyse stören, kann eine weiterführende Untersuchung mittels zweidimensionaler Gaschromatographie erforderlich sein, um die MOAH-Konzentration zu bestätigen.
Die Vermeidung von Kontaminationen ist in allen Phasen der Probenahme und Analyse entscheidend, da Mineralöle aus Quellen wie Plastiktüten und Kosmetika unbeabsichtigt in das Probenmaterial gelangen können. Aufgrund der niedrigen Nachweisgrenzen und des hohen Kontaminationsrisikos erfordert die MOSH- und MOAH-Prüfung ein hohes Maß an Fachkompetenz seitens des Prüflabors.
Lösungen von Measurlabs für die MOSH- und MOAH-Prüfung
Measurlabs bietet Analysedienstleistungen zur Bestimmung von Mineralölkohlenwasserstoffen entlang der gesamten Fertigungskette an – von Produktionshilfsmitteln und Rohstoffen bis hin zu fertigen Lebensmittelkontaktmaterialien und Lebensmitteln. Weitere technische Details und Richtpreise sind in den folgenden Leistungsbeschreibungen verfügbar:
MOSH/POSH und MOAH in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln
Migration von MOSH/POSH und MOAH aus Lebensmittelkontaktmaterialien
MOSH/POSH und MOAH in Nicht-Lebensmittelproben (z. B. Druckfarben, Ruß, Öle, Wachse)
Siehe auch unseren Beispielprüfbericht zur MOSH/POSH- und MOAH-Migration aus Lebensmittelkontaktmaterialien.
Für weitere Informationen oder ein auf Ihre Prüfanforderungen zugeschnittenes Angebot nutzen Sie bitte das untenstehende Kontaktformular.
Quellenverzeichnis:
1 Zusammenfassender Bericht des SC PAFF, 21. April 2022
2 Das Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel der Europäischen Kommission (RASFF): Eine Suche nach dem Begriff „MOAH" mit der Risikobewertung „ernst" oder „potenziell ernst" und dem Enddatum 10.6.2026 ergibt 136 Meldungen zu Produkten, in denen MOAH nachgewiesen wurden.
3 Verordnung zur Änderung der Verordnung (EU) 2023/915 hinsichtlich der Höchstgehalte für aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe in Lebensmitteln: Text und Anhang. Nach Angaben im Katalog zu Mineralölkohlenwasserstoffen (MOH) der Europäischen Kommission wird die offizielle Annahme für Oktober 2026 erwartet.
4 Empfehlung der Kommission zur Überwachung von Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln, deren Annahme ebenfalls für Oktober 2026 erwartet wird.
5 Europäische Kommission, Katalog zu Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW). Die EURL-PC-Laborliste für MOAH ist unter der Zwischenüberschrift „Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons in food" aufgeführt.
6 Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Update of the risk assessment of mineral oil hydrocarbons in food, 13. September 2023 (englisch)
7 Zusammenfassender Bericht des SC PAFF, 19. Oktober 2022. Das Dokument bestätigt die im April-Bericht festgelegten Grenzwerte und präzisiert die Fettgehalte, ab denen die jeweiligen Grenzwerte gelten.
8 Gemeinsame Erklärung zur Verordnung der Kommission zur Änderung der Verordnung (EU) 2023/915 hinsichtlich der Höchstgehalte für aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe in Lebensmitteln, angenommen vom Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel, Sektion Neuartige Lebensmittel und toxikologische Sicherheit der Lebensmittelkette, am 13. Mai 2026.
9 Empfehlung der Kommission zur Überwachung von Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln
10 Der Plan zur Aufnahme von MOAH-Höchstgehalten in die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 wird in einem Handout der SC-PAFF-Sitzung vom Mai 2025 erörtert.
11 JRC-Leitfaden zur Probenahme, Analyse und Datenberichterstattung für die Überwachung von Mineralölkohlenwasserstoffen in Lebensmitteln und Lebensmittelkontaktmaterialien, 2023

