GC-MS vs. LC-MS und darüber hinaus: ein Leitfaden zur Auswahl der Chromatographietechnik

Veröffentlicht 

Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung (LC-MS) und Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) gehören zu den wichtigsten Analysewerkzeugen in modernen Prüflaboratorien. Gemeinsam ermöglichen sie Fachleuten die Identifizierung und Quantifizierung von Spurenchemikalien in einem breiten Spektrum von Materialien – von Trinkwasser über Arzneimittel, Lebensmittel und Raumluft bis hin zu Industrieprodukten. Diese Techniken bilden daher eine analytische Grundlage für die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, die Produktsicherheit und die Qualitätskontrolle in nahezu allen Bereichen der Umwelt-, Chemie- und Fertigungsindustrie.

In der Praxis werden LC-MS und GC-MS häufig parallel eingesetzt, um verschiedene Analyten in derselben Probenmatrix zu messen. PFAS-Verbindungen werden beispielsweise typischerweise mit LC-MS-Methoden analysiert, die Spurenmengen der meisten regulierten Verbindungen nachweisen können. Umfassende PFAS-Testpakete umfassen jedoch häufig auch GC-MS, um bestimmte flüchtige PFAS-Verbindungen zu erfassen, die für LC-MS weniger geeignet sind. Dies verdeutlicht, wie die Wahl der Methode die analysierbaren Substanzklassen maßgeblich beeinflusst.

Auswahl zwischen Gaschromatographie und Flüssigchromatographie

LC-MS und GC-MS sind keine konkurrierenden Technologien in dem Sinne, dass eine der anderen überlegen oder fortschrittlicher wäre. Stattdessen hängt die Wahl zwischen ihnen von der Matrix, den Zielanalyten und dem erforderlichen Maß an Sicherheit ab.

GC-MS eignet sich am besten für Analyten, die:

  • Flüchtig oder halbflüchtig

  • Thermisch stabil

  • Niedriges bis mittleres Molekulargewicht

  • Unpolar bis mäßig polar

  • Ohne Zersetzung verdampfbar

Typische Beispiele sind:

  • Flüchtige organische Verbindungen (VOC)

  • Lösungsmittelrückstände

  • Duftstoffe und Aromaverbindungen

  • Kraftstoffe und Kohlenwasserstoffe

Andererseits eignet sich LC-MS am besten für Analyten, die:

  • Nicht-flüchtig

  • Thermisch labil

  • Polar oder stark polar

  • Hohes Molekulargewicht

  • In komplexen Matrices in Ultraspurenkonzentrationen vorhanden

Typische Beispiele sind:

  • PFAS-Verbindungen

  • Pharmazeutika und Metaboliten

  • Pestizide in Lebensmitteln und Wasser

  • Farbstoffe und Pigmente

  • Biomoleküle

Es kann einige Ausnahmen geben, die sich aus spezifischen analytischen Anforderungen oder Probenvorbereitungsverfahren ergeben. So wird beispielsweise die chemische Derivatisierung häufig eingesetzt, um die Flüchtigkeit von Analyten für GC-MS-Messungen zu verbessern.

Auswahl eines Chromatographiedetektors

Zwar werden GC-MS und LC-MS sehr häufig für Zusammensetzungsanalysen eingesetzt, doch kommen neben der Massenspektrometrie auch andere Detektoren in Verbindung mit GC und LC zum Einsatz. Die Wahl des Detektors hängt ab von:

  • Erforderliche Empfindlichkeit

  • Selektivität und Identifikationssicherheit

  • Zielanalytklasse

  • Budget und betriebliche Komplexität

  • Regulatorische Anforderungen

Bei vielen Anwendungen im Bereich der Regulierung und des Umweltschutzes richtet sich die Wahl des Detektors nach den praktischsten Methoden, um die erforderlichen Nachweis- oder Quantifizierungsgrenzen zu erreichen. Häufig kommen dabei MS oder MS/MS zum Einsatz, die in den meisten Anwendungsfällen über außergewöhnlich niedrige Nachweisgrenzen verfügen. Für routinemäßige Qualitätskontrolltests, bei denen die Analyten und Probenmatrices bekannt sind, werden jedoch oft einfachere Detektoren verwendet. Beispiele hierfür sind die Flammenionisationsdetektion (FID), die Wärmeleitfähigkeitsdetektion (WLD) und die UV-Detektion.

Tabelle 1: Vergleich ausgewählter Chromatographieverfahren

Technik

Anwendungsbereich

Auflösung

Matrices

LC-MS

Breit (z. B. chemisches Screening, Reaktionsprodukte, Farb- und Pigmentstoffe)

ppt – ppm

Sauber bis mäßig komplex (z. B. saubere Lösungsmittel, Reaktionsgemische, Lebensmittelextrakte)

LC-MS/MS

Breit (z. B. PFAS, Arzneimittel, Pestizide)

< ppt – ppb

Komplex (z. B. Blut, natürliches Wasser, Biofilme, Boden)

LC-UV/DAD

Analyten mit Chromophoren (z. B. Additive, Vitamine, Konservierungsstoffe)

ppb – ppm

Sauber bis mäßig komplex (z. B. Lebensmittel, Getränke, Pharmazeutika)

GC-MS

Breit (z. B. VOCs, Lösungsmittel, Duftstoffe)

ppb – ppm

Sauber bis mäßig komplex

Py-GC/MS

Polymere (z. B. Kunststoffe, Kautschuke, Mikroplastik)

ppm – %

Polymere, Fasern, Farben, Böden mit Mikroplastik, Verbraucherprodukte

GC-FID

Organische Verbindungen (z. B. Kohlenwasserstoffe, Lösungsmittel, Kraftstoffe, einfache VOC)

ppb – ppm

Reine Gase und Flüssigkeiten

GC-TCD

Permanente Gase und einfache flüchtige Verbindungen (z. B. Industriegas, Raumluft)

ppm – %

Reine Gasgemische

Die folgenden Abschnitte erläutern detaillierter, wie ausgewählte Chromatographieverfahren in der Praxis angewendet werden.

LC-MS/MS – Umwelt- und pharmazeutische Spurenkontamination

Die Flüssigchromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) ist eine Variante der LC-MS, die Verbindungen zunächst mittels der grundlegenden LC-MS differenziert, anschließend fragmentiert und die resultierenden Ionenprodukte mit dem zweiten MS misst. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit von Interferenzen erheblich und liefert ein deutlich verbessertes Signal-Rausch-Verhältnis, was präzise Messungen von Ultraspurenkomponenten in komplexen Matrices mit regulatorischer Sicherheit ermöglicht.

Aus diesem Grund wird diese Technik häufig für die PFAS-Analyse und den Nachweis von Arznei- und Pestizidrückständen in komplexen Umwelt- und Bioproben eingesetzt.

LC-UV/DAD – Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel

Flüssigchromatographie mit UV- oder Diodenarray-Detektion (LC-UV/DAD) trennt Komponenten mittels LC und misst sie anschließend anhand ihrer Lichtabsorption im ultravioletten bis sichtbaren Bereich (UV-Vis). Diese Technik ist zuverlässig und kostengünstig für die Routineanalyse von Analyten, die Chromophore enthalten – strukturelle Bestandteile des Moleküls, die elektronische Übergänge im UV-Vis-Bereich aufweisen. Diese Verbindungen, zu denen verschiedene Vitamine, Konservierungsstoffe, Zusatzstoffe und Süßungsmittel gehören, werden in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie häufig gemessen.

Py-GC/MS – Mikroplastik, Polymere

Die Pyrolyse-Gaschromatographie-Massenspektrometrie (Py-GC/MS) zersetzt feste Proben thermisch in charakteristische Komponenten, die anschließend mittels herkömmlicher GC-MS analysiert werden. Der wesentliche Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass eine Extraktion oder Auflösung der Probe vor der Analyse entfällt, was eine zuverlässige chromatographische Analyse schwieriger, jedoch thermisch zersetzbarer Probenmatrizes ermöglicht. Besonders geeignet ist diese Technik für Materialien mit hohem Molekulargewicht sowie für unlösliche und heterogene Materialien.

Py-GC/MS wird häufig für die Mikroplastikanalyse eingesetzt und gilt als eine der führenden Methoden zum Nachweis von Nanoplastik. Darüber hinaus findet es in der Polymer- und Recyclingbranche Anwendung zur Charakterisierung von Polymermischungen, Textilien und Kautschuk. Auch Biomasse, Lignin und Ausgangsstoffe werden häufig analysiert, um lignocellulosische Materialien zu charakterisieren.

GC-FID – Kohlenwasserstoffe und Lösungsmittel

Die Gaschromatographie mit Flammenionisationsdetektion (GC-FID) trennt flüchtige Verbindungen und detektiert organische Verbindungen, indem die bei der Verbrennung mit einer Wasserstoffflamme entstehenden Ionen gemessen werden. Das Ausgangssignal ist proportional zur Kohlenstoffmenge im Analyten, unabhängig von der Struktur, was die Differenzierung von Verbindungen mit ähnlichem Kohlenstoffgehalt einschränkt. GC-FID-Messungen sind jedoch zuverlässig, reproduzierbar und erfordern nur einen geringen analytischen Aufwand, was diese Methode zur bevorzugten Methode für die Quantifizierung bekannter organischer Komponenten in der Kraftstoff- und Erdölindustrie macht.

GC-TCD – Biogas, Industriegas und Erdgas

Die Gaschromatographie mit Wärmeleitfähigkeitsdetektion (GC-TCD) trennt flüchtige Verbindungen und misst anschließend die Änderung der Wärmeleitfähigkeit des Trägergases, die durch die darin enthaltenen Analyten verursacht wird. Der klassische Anwendungsbereich umfasst Permanentgase wie Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Methan und Kohlendioxid. In der Biogasbranche wird GC-TCD ebenfalls häufig zur zuverlässigen Quantifizierung der Hauptgaskomponenten eingesetzt.

Chromatographie-Dienstleistungen von Measurlabs

Measurlabs bietet ein breites Spektrum an chromatographiebasierten Analysen für Umwelt-, Pharma-, Lebensmittel-, Polymer- und industrielle Anwendungen. Im Folgenden sind Beispiele häufig angeforderter Dienstleistungen aufgeführt:

Weitere Chromatographiemethoden und Matrices sind auf Anfrage erhältlich. Kontaktieren Sie unsere Experten über das untenstehende Formular, um Ihre spezifischen Prüfanforderungen zu besprechen.

Ein Partner für alle Ihre chemischen Analyseanforderungen

Measurlabs bietet ein breites Spektrum an Analysedienstleistungen mit GC-MS, LC-MS und verschiedenen anderen analytischen Techniken an.

Fragen Sie nach einem Angebot

Füllen Sie das Formular aus und wir antworten Ihnen innerhalb eines Werktages.

Haben Sie Fragen oder brauchen Hilfe? Schreiben Sie uns unter oder rufen Sie unser Vertriebsteam an.